Die NABU Dümmer Biotope

Die Struthbäke - Quellregion in den Dammer Bergen

Bernd Averbeck, Christina Mau-Hansen NABU Dümmer

Im Osten der Dammer Berge befindet sich ein Kleinod. Eine offene Lichtung findet sich inmitten des alten Waldbestandes aus uralten Buchen und Eichen. Ein schmales Rinnsal durchläuft hier eine offene Wiese, auf der Schafe die saftigen Kräuter und Gräser beweiden. Zu trinken gibt es reichlich, der kleine Quellbach durchläuft ein größeres sowie ein kleines Gewässer, das ganzjährig

Wasser führt.

 

Seit ca. 40 Jahren wird dieses kleine in etwa 3 ha große ökologisch wertvolle Biotop von Mitgliedern der Gruppe NABU Dümmer e. V. betreut. Im Wechsel wurden dort Konikpferde und Auerochsen sowie eine kleine Herde von Heidschnucken zur Beweidung eingesetzt. Als nährstoffreiches Futter steht eine abwechslungsreiche Vegetation aus Kräutern und vielfältigen Pflanzen zur Verfügung. Besitzer dieses interessanten Flurstückes ist der Landkreis Vechta. Nach dem Erwerb zur Bewirtschaftung durch den NABU Dümmer wurden zunächst Biotopmaßnahmen durchgeführt, dazu gehörten die hier beschriebene Anlage der vorhandenen Gewässer. Büsche säumen die Gewässer und alte Baumriesen umstehen das offene Gelände. Diese Fläche darf als geschützte und eingezäunte Privatfläche nicht betreten werden. Bei Interesse bitte beim NABU Dümmer melden. Seit ca. 40 Jahren also ist dieses Gebiet nun außerhalb der konventionellen Bewirtschaftung, so dass sich ein Areal mit intensiver Naturnähe entwickeln konnte. Neben vielen Vogelarten wie u. a. Wespenbussard, Waldkauz,Grünspecht und Schwarzspecht konnte sich insbesondere eine spektakuläre Insektenfauna entfalten.

 

Scharlachlibelle / Bild: Christina Mau-Hansen
Scharlachlibelle / Bild: Christina Mau-Hansen

Festgestellt wurde z. B. aus der Gruppe der Libellen ein guter Bestand der

Scharlachlibelle (Ceriagrion tenellum). Die inzwischen ungefährdete auch

Zarte Rubinjungfer genannte leuchtend rote Schlanklibelle war ehemals eine

eher seltene Art von Heideweihern, (Übergangs-) Mooren und feuchten Wiesen

mit Binsen und Seggen.

 

Kleiner Blaupfeil / Bild: Christina Mau-Hansen
Kleiner Blaupfeil / Bild: Christina Mau-Hansen

Weiterhin ist eine stabile Population vom Kleinen Blaupfeil (Orthetrum

coerulescens) registriert worden. Während die Art noch auf der letzten Roten

Liste als "stark gefährdet" eingestuft wurde, ist sie aktuell ungefährdet. Gerne

siedelt der Kleine Blaupfeil in Sand- oder Kiesgruben sowie an langsam

fließenden Wiesenbächen oder Gräben mit nicht zu großen Wassertiefen.

 

Neben den genannten kommen Arten wie die Weidenjungfer (Chalcolestes viridis), die Becher-Azurjungfer (Enallagma cyathigerum), die Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella), die Große Pechlibelle (Ischnura elegans), die Große Heidelibelle (Sympetrum striolatum), Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum) und z. B. die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea) neben vielen weiteren vor.

 

Blaugrüne Mosaikjungfer / Bild: Christina Mau-Hansen
Blaugrüne Mosaikjungfer / Bild: Christina Mau-Hansen

Die zu den Großlibellen zählende Blaugrüne Mosaikjungfer ist eine sehr

häufige Art, die stehende und langsam fließende Gewässer aller Art besiedelt.

Hier wurde ein Weibchen bei der Eiablage beobachtet....

Blaugrüne Mosaikjungfer / Bild: Christina Mau-Hansen
Blaugrüne Mosaikjungfer / Bild: Christina Mau-Hansen

.....sowie ein Männchen bei seinem Patrouillenflug.

 

Kleine Kohlweißling / Bild: Christina Mau-Hansen
Kleine Kohlweißling / Bild: Christina Mau-Hansen
Kletteneule  / Bild: Christina Mau-Hansen
Kletteneule / Bild: Christina Mau-Hansen

Auch viele Tag- und Nachtfalter sind in diesem wertvollen Lebensraum heimisch geworden.

An den Gewässerrändern finden sich Binsen, Seggen und Schilffluren, während auf der offenen Wiese große Teppiche aus Wildem Majoran, Weidenröschen, Königskerzen, Johanniskraut, diverse Distelarten, Brennnesselfluren und viele weitere Wiesenkräuter wachsen. Neben den üblichen Tagfaltern wie z. B.

verschiedene Weißlinge wie der Kleine Kohlweißling (Pieris rapiund dem häufigen Tagpfauenauge (Aglais io) sowie dem Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus) gibt es eine große Zahl von Nachtfaltern zu beobachten. Verschiedene Arten aus der Gruppe der Spanner, Eulen, Bärenfalter, Zahnspinner und die großen Schwärmer wurden bereits festgestellt.

Ein besonderer Fund wurde am 16.09.2023 entdeckt. Die seltene Kletteneule (Gortyna flavago) zeigte sich nach Mitternacht beim Abbau der Leuchtanlage, mit der Nachweise zum Vorkommen der Schmetterlinge ermittelt werden. Die Kletteneule gilt als "stark gefährdet" in Niedersachsen und bewohnt feuchte

Wiesen, Moore und Ufersäume sowie Bruchwälder und kommt an den Rändern von Bächen, Weihern und Seen vor.

 


Brauner Bär  / Bild: Christina Mau-Hansen
Brauner Bär / Bild: Christina Mau-Hansen

Eine sehr häufige Art dagegen ist der ungefährdete Braune Bär (Arctia caja), der mit seinem markanten Muster auf den Vorderflügeln und den leuchtend orangen Hinterflügeln mit den blauen Augenflecken zu den schönen und auffälligen Nachtfaltern gehört. Zur Anpassung an die nächtliche Lebensweise ist diese Faltergruppe eher unscheinbar, kann sich aber bei Fressfeinden am Tag mit kräftigen Farben, die häufig Ungenießbarkeit suggerieren sollen, wehren. Dazu stellen sie die leuchtenden Farben der Hinterflügel zur Schau, um damit ihre Fressfeinde abzuschrecken.

 

Abendpfauenauge / Bild: Christina Mau-Hansen
Abendpfauenauge / Bild: Christina Mau-Hansen

Von der Gruppe der Schwärmer wurde am 16.09.2023 die Raupe vom Abendpfauenauge (Smerinthus ocellata) beobachtet. Auch der Linden- und auch der Kiefernschwärmer wurden in dem Biotop bereits erfasst.

 

Das abwechslungsreiche Biotop beherbergt viele weitere Artengruppen wie Heuschrecken, Wildbienen, Schwebfliegen und vieles mehr. Aus der Gruppe der Amphibien wurde neben Grünfröschen auch der Kammmolch, Bergmolch,Teichmolch und die Erdkröten beobachtet. Auch eine Blindschleiche (Anguis fragilis) aus der Familie der Schleichen (Reptilien) wurde schon gesichtet.

 

Blindschleiche / Bild: Christina Mau-Hansen
Blindschleiche / Bild: Christina Mau-Hansen