Biotope für Nachtfalter

Besiedlung durch Nachtfalter auf betreuten Flächen des Nabu-Dümmer e.V. und den Naturschutzring Dümmer

 Christina Mau-Hansen NABU Dümmer

Polia bombycina - die Hauhechel-Blättereule gehört auf der Roten Liste der Eulenfalter, die zu den Nachtfaltern gehören, zu den gefährdeten Arten. Neben ihrer Geschwisterart Polianebulosa der Waldstauden-Blättereule und weiteren über 50 unterschiedlichen Arten besiedelt diese Insektengruppe eine der zahlreichen vom NABU und Naturschutzring Dümmer betreuten Flächen. Auch der Weißbinden-Zahnspinner (Drymonia querna) steht als gefährdet auf der Roten Liste. Daneben gibt es Arten der Vorwarnliste, die darauf hinweisen soll, dass bei weiterem Rückgang der Art eine Gefährdung eintritt. Aus dieser Gruppe wurden z. B. der Wellenspanner (Hydria undulata) und das Erlenmoor-Flechtenbärchen (Pelosia muscerda) ermittelt. Weiterhin finden sich dort z. B. Falter aus der Gruppe der Zünsler, Sichelflügler, Schwärmer und Spanner.

Mehr als dreißig Verbandsflächen, von unter einem bis zu dreißig ha groß, liegen rund um den Dümmer im Landkreis Diepholz und im Landkreis Vechta. 

Dunkle Pfeifengras- Grasbüscheleule / Bild: Christina Mau-Hansen
Dunkle Pfeifengras- Grasbüscheleule / Bild: Christina Mau-Hansen

Aufgrund der Lage einer der untersuchten Streuobstwiesen direkt neben dem Aschener Moor konnte noch ein sehr seltener Nachweis einer für Niedersachsen Vom Aussterben Bedrohten Art der Roten Liste erfasst werden. Ein Exemplar der Dunklen Pfeifengras- Grasbüscheleule fand sich  Leuchtabend des 12.07.2021 am Netz. Diese seltene Art besiedelt Pfeifengras-Bestände (Molinia caerulea) in unterschiedlichen Degenerationsstadien der Moore. Waldnahe, gebüschreiche und wechselfeuchte Flachmoore und verheidete Hochmoore gehören zu den bevorzugten Lebensräumen. mehr


Streuobstwiesen sind ideale Biotope

Apfelbaumwiese / Bild: Marion Prissok
Apfelbaumwiese / Bild: Marion Prissok

Seit ca. 30 Jahren werden gemeinsam vom Naturschutzring Dümmer und vom NABU Dümmer die unterschiedlichsten Flächen und Biotope gepflegt und der Natur zurückgegeben. 
Vor ihrem Erwerb durch die Naturschutzverbände wurden diese Flächen sehr häufig intensiv bewirtschaftet und befanden sich zumeist unter Monokultur. Um die Flächen auszuhagern und in einen naturnahen Zustand mit natürlicher Vegetation auf den jeweils unterschiedlichen Böden zurückzuführen, braucht es viele Arbeitsstunden, viele Jahre und einen langen Atem. Denn sich selbst überlassen werden die Flächen nicht. Viele Biotopschutz- und  pflegemaßnahmen wie u.a. das Abschieben von aufgebrachten belasteten Böden, Anlage von feuchten Senken mit temporärer Gewässerbildung, Einsaat von ursprünglichen Wildpflanzen sowie aufwändige Entkusselungsmaßnahmen, Beweidung durch Schafe, Taurusrinder und Pferde und nicht zuletzt die Anlage von Obstbäumen zur Entwicklung von Streuobstwiesen gehören zum aufwändigen Arbeitspensum der Verbände.
Die dargestellten Maßnahmen sollen eine größtmögliche Naturnähe in einer Fläche ohne Düngung und Pestizide ermöglichen. Auch eine relative Ungestörtheit durch äußere Einflüsse erlauben es Flora und Fauna, sich wieder entwickeln zu können. Schritt für Schritt werden so gefährdete Arten unterstützt und wirken sich positiv auf das Vorkommen von Insekten wie z. B. Tag- und Nachtfalter aus. Streuobstwiesen stellen aufgrund Ihrer Vielschichtigkeit der Pflanzen aus einer Kraut-, Strauch- und Baumschicht einen besonders wertvollen Lebensraum dar.
Drei verschiedene renaturierte Flächen wurden im Jahr 2021 von Christina Mau-Hansen sporadisch auf Nachtfalter untersucht. Dabei wurden insgesamt bereits über 140 Nachtfalterarten festgestellt, eine jedoch nur geringe Zahl gegenüber den in Deutschland bereits festgestellten insgesamt 1160 nachtaktiven Großschmetterlingen, zu denen zusätzlich weit über 2.000 nachtaktive Kleinschmetterlinge gezählt werden. Die Bestandsaufnahmen dienen zunächst zur Erfassung des Artenspektrums. Schritte zur weiteren Förderung der Flächen können daran anschließen.